109. Sure Al-Kafirun (Die Ungläubigen) - Verse 1-6

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http://www.al-Koran.de/tafsir/109/1.htm

 

قُلْ يَا أَيُّهَا الْكَافِرُونَ ﴿1﴾ لَا أَعْبُدُ مَا تَعْبُدُونَ ﴿2﴾ وَلَا أَنْتُمْ عَابِدُونَ مَا أَعْبُدُ ﴿3﴾ وَلَا أَنَا عَابِدٌ مَا عَبَدْتُمْ ﴿4﴾ وَلَا أَنْتُمْ عَابِدُونَ مَا أَعْبُدُ ﴿5﴾ لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِيَ دِينِ ﴿6﴾

(1) Sprich: „Oh ihr Ungläubigen! (2) Nicht diene ich dem, dem ihr dient. (3) Und nicht dient ihr dem, dem ich diene. (4) Und noch bin ich ein Diener dessen, dem ihr gedient habt. (5) Und nicht dient ihr dem, dem ich diene. (6) Euch euer Glaube und mir mein Glaube.“

Diese Sure ist mekkanisch.

Der Inhalt dieser Sure:

Es gibt Meinungsverschiedenheiten bzgl. des Ortes, an dem diese Sure herab gesandt wurde, am wahrscheinlichsten scheint jedoch Mekka, worauf sowohl der Offenbarungsgrund als auch der Aufbau der Verse hindeuten.[i]

Durch den Aufbau der Verse erkennen wir, dass diese Sure zu einer Zeit herab gesandt wurde, in der die Muslime eine Minderheit und die Ungläubigen in einer Mehrheit waren. Und sie zeigt, dass der Prophet (s.) dem Druck der Götzendiener unterlag, während der Gesandte Gottes (s.) seine Standhaftigkeit und sein Beharren auf die Grundsätze des Einheitsbekenntnisses verkündete.  Und dies ist eine Lehre für die Muslime, damit sie die Grundsätze des Islams stets verteidigen und für nichts aufgeben. In dieser Sure wird die Ablehnung des Muslims gegenüber dem Unglauben aufgezeigt und der Freispruch von all dem, dem die Ungläubigen dienen. Und schließlich wird der Schlussstrich gezogen, indem der deutliche Unterschied zwischen dem Einheitsbekenntnis und dem Götzendienst aufgezeigt wird, indem es in der Sure heißt: „Euch euer Glaube und mir mein Glaube“.

Die Vorzüge dieser Sure:

Bezüglich des Vorzugs dieser Sure heißt es in einer Überlieferung des Gesandten Gottes (s.) sinngemäß: „Wer (die Sure) „Oh ihr Ungläubigen“ verliest, dem ist es (auf dieselbe Art vergolten), wie als hätte er ein Viertel des Korans gelesen, und es distanzieren sich von ihm die Krancheiten der Teufel, und er ist freigesprochen vom Götzendienst, und er wird  geschützt vor der großen Furcht (am Tage der Auferstehung).“[ii]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass ein Mann zum Propheten (s.) kam und sprach: „Ich bin gekommen, oh Gesandter Gottes, damit du mich etwas lehrst, was ich vor dem Schlafen gehen sagen soll.“ Daraufhin antwortete Prophet Muhammad (s.) sinngemäß: „Wenn du dich in dein Bett legst, so verlies die Sure „Sprich: Oh ihr Ungläubigen“, daraufhin schlafe, nach dem du sie zu Ende gelesen hast, denn sie ist ein Freispruch vom Götzendienst.“

In einer Überlieferung von Imam al-Sadiq (a.) heißt es: „Mein Vater sagte (stets): „(Die Sure) „Sprich: Oh ihr Ungläubigen“ entspricht einem Viertel des Koran.“ Und wenn er diese Sure zu Ende rezitierte, sagte er (stets): „Ich diene Allah allein, ich diene Allah allein.““ [iii]

Offenbarungsgrund:

In den Überlieferungen heißt es, dass diese Sure eine Gruppe von Leuten der Quraysch anspricht.  Zu ihnen gehörten „al-Harith bin Qays al-Sahmi“, „al- ‘aas bin Abi wa’il“, „al-walid bin al-mughirah“, „Bin chalf“ und andere Qurayschiiten, welche zum Propheten (s.) sprachen: „Komm, oh Muhammad, folge unserer Religion, so folgen wir deiner und wir teilen alle Angelegenheiten mit dir. Du betest unsere Götter ein Jahr lang und wir beten deinen Gott ein Jahr lang an. Wenn dann das, womit du gekommen bist, besser ist als das, was in unseren Händen ist, so haben wir mit dir daran teilgenommen (…). Und wenn das, was in unseren Händen ist, besser ist als das, was in deinen Händen ist, so hast du mit uns unsere Angelegenheiten geteilt (..).“

So sagte der Prophet (s.): „Allah behüte, dass ich Ihm jemand anderen beigeselle.“

Dann sagten sie: „So übernehme einige unserer Götter, so schenken wir dir Glauben und dienen deinem Gott.“

So antwortete der heilige Prophet (s.): „Ich erwarte, was von meinem Herrn kommt.“

Daraufhin wurde die Sure „Sprich: Oh ihr Ungläubigen“ herab gesandt. Dann ging der Gesandte Gottes (s.) zum Masjid ul-Haram, während dort viele Qurayschiiten waren, stieg auf etwas hinauf und verlas die Sure zu Ende. Dadurch wurden die Götzendiener frustriert und verletzten daraufhin den heiligen Propheten und seine Gefährten.“[iv] 

Exegese:

(1) Sprich: „Oh ihr Ungläubigen“.

Die Anrede ist hier, wie oben erwähnt und einige Exegeten sagten, wie es scheint an bestimmte Personen unter den Ungläubigen gerichtet und nicht an alle. Darauf deutet auch, dass die Verse davon sprechen, dass diese Ungläubigen niemals Allah anbeten werden und dies trifft nicht auf alle Ungläubigen zu.[v] Denn wie wir wissen, haben sehr viele Ungläubige nach der Eroberung Mekkas sehr wohl zum Islam gefunden.

(2) Nicht diene ich dem, dem ihr dient.

Mit dem, dem sie dienen, sind die Götzen gemeint, die sie vergöttert und angebetet haben. Und die Ablehnung des Götzendienstes ist sowohl auf die Gegenwart als auch auf die Zukunft bezogen.

(3) Und nicht dient ihr dem, dem ich diene.

Dies ist eine Verneinung dessen, dass diese Götzendiener weder zu der Zeit des Propheten (s.) noch irgendwann anders in der Zukunft jemals Allah (swt) anbeten werden und die Geschichte zeigt, dass diese Personen tatsächlich in ihrem Unglauben verblieben sind bis zu ihrem Tod. Und das aufgrund ihrer Sturheit und ihrer Blindheit und dem Befolgen dessen, was ihre Vorfahren gemacht haben.  

(4) Und noch bin ich ein Diener dessen, dem  ihr gedient habt. (5) und nicht dient ihr dem, dem ich diene.

Und dies ist eine Wiederholung der oberen Verse zur Bestätigung, Bekräftigung und Betonung dieser Tatsachen. Sowie um deutlich aufzuzeigen, dass der Prophet (s.) nie den Götzendienst mit den Götzendienern teilen wird und sie niemals das Einheitsbekenntnis bezeugen werden.

(6) Euch euer Glaube und mir mein Glaube.

Dieser Vers ist eine Art Zusammenfassung der oberen Verse, durch den Allah (swt) die klaren Unterschiede zwischen dem islamischen Glauben und dem Götzendienst aufzeigt und darauf hindeutet, dass diese sich niemals vereinen werden.

 

 

[i] Tafsir ul-Amthal, Band 20, Seite 505; Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 432; Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 550

[ii] Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 551

[iii] Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 551

[iv] Viele Koran-Exegeten haben mit kleinen Unterschieden jeweils, diesen Offenbarungsgrund genannt. Unter ihnen al-Tabrasi in seinem Majma‘ ul-Bayan, Allamah Tabataba’i in seinem Tafsir ul-Mizaan, und  al-Qurtubi, sowie Abu al-Futuh al-Raazi und al-Suyuti in al-Dur al-Manthur

[v] Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 432

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